Schulden, Schuld und Scham

#1 von Sonnja123 , 04.04.2011 07:52

Mein Privatinsolvenzverfahren ist 2009 eröffnet worden. Ich habe - auf Anraten meines Schuldnerberaters - wirklich alle Verbindlichkeiten angegeben, nicht nur Finanzamt, Krankenkassen oder sonstige geschäftliche Verbindlichkeiten, sondern ich hatte auch rd. 1000 € Schulden bei einer Freundin, resultierend aus einem Autounfall den ich verursacht habe (450 € Schaden am Fahrzeug, 550 € temporäre Rückstufung der Versicherung). Eigentlich war es dieses Gerichtsverfahren, dass den Ausschlag zur Aufgabe der Blindheit gegenüber der Situation gegeben hat. Die Freundschaft ist zerbrochen an der Tatsache, dass sie mich verklagt hat ... ich bin der Meinung Freunde verklagen einen nicht.

Wir hatten - aufgrund des Sports - gemeinsamen Bekanntenkreis. Wegen der Insolvenz konnte ich die Gebühren für den Verein nicht mehr bezahlen und habe den Sport aufgegeben und somit auch kaum noch gemeinsame Bekannte gesehen.

Gestern jedoch habe ich einen getroffen, der mich so beschimpft hat wie vorher noch nie jemand in meinem Leben. Das hat mich sehr getroffen. Wie geht ihr mit derlei Sachen um? Ich kann vor lauter Schuldgefühlen und Scham kaum noch aus dem Haus. [sad]

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RE: Schulden, Schuld und Scham

#2 von rantanwolf , 04.04.2011 14:20

Hallo Sonja,

"private" Verbindlichkeiten im Insolvenzverfahren sind immer schwierig und eine Klage ist schwierig mit einer Freundschaft in Einklang zu bringen.

Dafür gibt es auch kein Rezept, wie man damit umzugehen hat. In deinem Fall hätte die Klage abgemindert werden können, in dem Du die Forderung (en) anerkennst.
Selbstverständlich war und ist es richtig auch solche Forderungen im Verfahren anzugeben.
Ob man sich dann mit befreundeten Gläubigern dann auch weiterhin Verständigen kann bleibt abzuwarten, dem Gläubiger oder Freund aber Einsicht zu zeigen mindert zumindest den persönlichen Groll.

Einen Schutz vor Beschimpfungen durch Dritte gibt es natürlich auch nicht. Aber auch hier kann ich nur den Rat geben mit den (finanziell) Betroffenen (am besten im Vorfeld) das Gespräch suchen und um Verständniss werben. Darauf hätte dich aber auch der Schuldnerberater hinweisen können.

Den meisten Menschen fehlt das Verständnis für ein Insolvenzverfahren. Zum Austausch mit Betroffenen kann ich sehr die kostenlosen Gruppen "die anonymen Insolvenzler" empfehlen. www.anonyme-insolvenzler.de

Grüße
Rantanwolf


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